Sebastian Krämer – Ein Abend der klugen Ironie

Sebatsian Krämer
Ein Abend der klugen Ironie
Sebastian Krämer begeistert sein Publikum im Havelberger KunstQuartier

Havelberg (ans) l Samstagabend in Havelberg, ein perfekter Frühlingstag geht zu Ende und da radelt er heran. Sebastian Krämer, der Hohepriester des subversiven Humors, kommt, wie schon bei seinem ersten Besuch 2017 per Zug und Fahrrad ins KunstQuartier des Arthotels. Leichtfüßig eilt er in den Saal, zupft am Flügel, korrigiert die Beleuchtung, richtet sich häuslich ein. Und schon geht es los.

Hier entrollt sich ein Abend der klugen Ironie, der elegischen Freude, der vergnügten Klage. Sebastian Krämer hat nicht nur Kafka auf dem Zettel, er singt auch von Spitzwegs armen Poeten und Barlachs Buchleser, von Puppi-Duppi, die die Nacht im Garten verbracht hat, und von Dolores, der Hexe aus dem Darknet. Die Zuhörerschaft hängt an seinen Lippen, um kein Wort, keinen noch so absurden Zusammenhang, keine Pointe zu verpassen; ja um überhaupt folgen zu können. Denn hier singt und liest einer, der schon zu Schulzeiten seine (Deutsch-)lehrer zur Verzweiflung getrieben haben dürfte, und zwar mit voller Absicht und hoher Meisterschaft. Der „Aufsatz über Kafkas Erbe“ treibt dem Publikum bei anhaltendem Gelächter den kalten Schweiß auf die Stirn. Versöhnlich und hintertrieben zugleich gibt es als Abschluss auf speziellen Wunsch der fünfjährigen Alma „Mein Bruder“, eine Liebeserklärung der besonderen Art.

Langer Beifall und Bravorufe schließen den Abend und schon muss Krämer eilen, um samt seinem Fahrrad den letzten Zug nach Berlin zu erreichen.

Eckhardt von Hirschhausen stellt Sebastian Krämer neben Ringelnatz, Morgenstern und Georg Kreißler und sagt: Glücklich der, der solch Talent zu Lebzeiten erkennt.

Das Talent der Macher des KunstQuartiers besteht darin, solche Künstler nach Havelberg zu holen. Ein drittes Konzert mit Sebastian Krämer ist geplant, kündigt Hotelchefin Renate Lewerken an und blickt zugleich auf den nächsten Gast, der schon eine feste Größe im KunstQuartier ist: Literaturkritiker Denis Scheck. Nachdem er seinen ursprünglich in Havelberg geplanten Auftritt im März verschusselt hat, verspricht er nun für Sonnabend, 12. Mai, einen vergnüglichen Leseabend unter dem Motto „Lesen & Lesen lassen – Romane & Sachbücher unter die Lupe genommen“. Die Karten dafür gibt es unter 039387/59 51 51.

Am Herrentag, 10. Mai, sind „The Aberlour´s“ wieder im Lindenpark des Arthotels zu erleben. Sie bieten von 15 bis 18 Uhr Folk Rock und Celtic Beats. Dazu ist der Eintritt frei.